Einbezug von Eltern und Bezugspersonen in die Traumatherapie


Aktuelle Studienergebnisse

Einbezug von Eltern und Bezugspersonen in die Traumatherapie

In einer kürzlich erschienen Studie von Tutus und Kollegen (2017) wurden die Effekte der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie (TF-KVT) auf Eltern untersucht, die ihre Kinder zur Therapie begleiten.

Der Einbezug eines Elternteils oder einer sonstigen wichtigen Bezugsperson in die Therapie ist ein wichtiges Merkmal der TF-KVT. Normalerweise findet in jeder Woche zunächst eine Einzelsitzung mit dem Kind oder Jugendlichen statt, und dann steht genau so viel Zeit für die Bezugsperson zur Verfügung. Hier wird beispielsweise der Inhalt der „Kind-Sitzung“ erklärt, besprochen, wie Bezugspersonen den Therapieprozess unterstützen können, Lösungsansätze für Erziehungsprobleme besprochen, und die später im Verlauf stattfindende gemeinsame Sitzung mit Kind und Bezugsperson vorbereitet. Natürlich kann die Aufteilung der zur Verfügung stehenden Zeit für jede Partei an die Gegebenheiten angepasst werden (z.B. Alter des Kindes/Jugendlichen, Ausprägung der Belastung der Bezugsperson, Ausmaß an Alltags- und Erziehungsproblemen, Beziehung der Bezugsperson zum Kind).


Die Forschung zeigt, dass Eltern, deren Kinder ein traumatisches Ereignis erlebt haben, ebenfalls häufig psychische Symptome zeigen, vor allem depressive. Dass TF-KVT für Kinder und Jugendliche mit PTBS eine wirksame Behandlung ist, steht außer Frage. Außerdem konnte in einzelnen Studien gezeigt werden, dass sich die elterliche Erziehungskompetenz, Eltern-Kind-Kommunikation, und die familiäre Bindung verbesserte. Da aber auch die Bezugspersonen oft viel Zeit in der Therapie verbringen, stellt sich die Frage, ob auch deren Symptome sich bessern.

Bisher gab es hierzu unterschiedliche Ergebnisse – während alle drei entsprechenden Studien eine Verbesserung selbst berichteter depressiver Symptome bei den Eltern fanden, zeigte sich ein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe nur in einer der drei Studien. In diesem Kontext unklarer Evidenz war es das Ziel der hier berichteten Studie, zur Literatur beizutragen.

Die hier berichteten Daten stammen aus einer deutschen Multicenterstudie zur Wirksamkeit von TF-KVT. Befragt wurden 84 Bezugspersonen (Elternteile, die im Rahmen der kindlichen Traumatisierung nicht Täter waren und an der Studie teilnehmen), von denen 40 der TF-KVT-Gruppe und 44 der Wartekontrollgruppe zugeordnet waren und die die Studie nicht vorzeitig abgebrochen hatten. Das interessierende Maß war der BDI-II.

Es zeigte sich ein signifikantes Abfallen der selbstberichteten depressiven Symptomatik der Eltern zwischen den Messungen vor und nach der Therapie/Wartezeit. Ein Interaktionseffekt von Zeit und Gruppe zeigte sich jedoch nicht, was darauf schließen lässt, dass sich die depressiven Symptome in beiden Gruppen ähnlich veränderten und das Nachlassen der Depressionswerte also nicht auf die TF-KVT zurückgeführt werden kann. Unter den Elternteilen, deren Antworten auf eine zumindest leichte Depression schließen ließen, zeigten 15 keine signifikante Veränderung, 12 verbesserten sich, und keiner verschlechterte sich.

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze für diese Ergebnisse. Zunächst wiesen in beiden Studiengruppen die meisten Eltern unauffällige BDI-II-Werte auf, was die Wahrscheinlichkeit von Verbesserungen und auch für das Finden von Unterschieden verringerte. Außerdem handelte es sich bei der berichteten Studie um eine Stichprobe mit gemischten Traumata, während die einzige Studie, die einen Vorteil für TF-KVT in der Wirksamkeit auf elterliche Depressionen gefunden hatte, ausschließlich Kinder nach sexuellem Kindesmissbrauch einschloss und auch eine deutlich höhere Belastung mit depressiven Symptomen bei den Eltern fand. Es ist also möglich, dass die Wirksamkeit von TF-KVT auf elterliche depressive Symptome von der Art des Traumas und der Ausprägung der depressiven Symptomatik abhängt.

Zum Weiterlesen und Vertiefen

Tutus, D., Keller, F., Sachser, C., Pfeiffer, E. & Goldbeck, L. (2017). Change in Parental Depressive Symptoms in Trauma-Focused Cognitive-Behavioral Therapy: Results from a Randomized Controlled Trial. Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology, 27(2), 200–205. Link zum Volltext

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