Cognitive Processing Therapy (CPT)


Wissen & Werkzeuge

Cognitive Processing Therapy (CPT)

Die CPT in ihrer entwicklungsangepassten Fassung für Jugendliche ist ein ambulantes Therapieprogramm bei PTBS für Jugendliche und junge Erwachsene von 14-21 Jahren. Die Therapie gliedert sich in Commitmentphase, Emotionsregulationstraining, Traumabearbeitung und Bearbeitung von Entwicklungsaufgaben. Die Wirksamkeit ist gut belegt.

Übersicht

Die Cognitive Processing Therapy (CPT) wird seit vielen Jahren erfolgreich als ambulantes Therapieprogramm für Erwachsene eingesetzt, die nach einem oder mehreren traumatischen Ereignissen an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Unter der Bezeichnung entwicklungsangepasste kognitive Verhaltenstherapie (E-KVT) liegt eine Fassung vor, die die entwicklungspsychologischen Besonderheiten der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 21 Jahren einbezieht. Jugendspezifische Module wurden ergänzt, insbondere ein Emotionsregulationstraining in Anlehnung an die dialektisch-behaviorale Therapie für Jugendliche (DBT-A). Außerdem sind vereinfachte Arbeitsblätter für Jugendliche verfügbar.

Bausteine der Therapie

Bis zu 36 wöchentliche Sitzungen gliedern sich in vier Therapieabschnitte. Insgesamt erstreckt sich die Therapie in etwa über ein halbes Jahr.

Commitmentphase

Für Jugendliche und junge Erwachsene ist es oft eine große Hürde, sich für eine Traumatherapie zu entscheiden. Deshalb gibt es zu Beginn erst einmal Raum für Motivationsklärung und den Aufbau einer tragfähigen therapeutische Beziehung. Das Abschließen eines Therapievertrags (Vereinbarungen zur aktiven Mitarbeit in der Therapie) gehört ebenso dazu wie die Entwicklung eines Notfallplans bei Krisen. Das Formulieren konkreter Therapieziele  und eine ausführliche Psychoedukation über die Entstehung und Aufrechterhaltung der PTBS und über den Ablauf der Therapie runden die Anfangsphase ab.

Emotionsregulationstraining

Übererregungssymptome und Vermeidungstendenzen (Reizbarkeit, Selbstverletzungen, Substanzkonsum,…) können bei Jugendlichen aufgrund ihrer Lebensphase stärker ausgeprägt sein als bei Kindern oder Erwachsenen. Durch ein verhaltensbetontes Emotionsregulationstraining wird einerseits eine unmittelbare Senkung des Problemverhaltens im Alltag und damit des Leidens gefördert. Andererseits werden für die spätere Phase der Traumabewältigung hilfreiche Techniken erlernt, um sich bei Notwendigkeit vor einer übertriebenen Gefühlsüberflutung schützen zu können. In dieser Therapiephase lernen die PatientInnen, mit intensiven belastenden Gefühlen umzugehen, ohne auf dysfunktionale Verhaltensweisen zurückzugreifen. Zur Anwendung kommen dabei verschiedene Techniken in Anlehnung an die dialektisch-behaviorale Therapie für Jugendliche (DBT-A), wie Tagebuchkarten, Stressprotokolle und Verhaltensanalysen sowie Emotionsregulations-Skills. Einen weiteren Themenschwerpunkt dieser Phase stellt das Erkennen und Benennen von Gefühlen dar. Die PatientInnen lernen etwas darüber, welche Funktion die einzelnen Gefühle haben, wann sie üblicherweise auftreten, wo man sie im Körper spürt und welche charakteristischen Verhaltensimpulse sie auslösen.

Traumafokussierte Arbeit

Die eigentliche traumaspezifische Behandlung richtet sich nach dem klassischen Vorgehen der Cognitive Processing Therapy (CPT). Kern dieser Therapiephase ist die Arbeit an den maladaptiven Gedanken der PatientInnen. Zunächst wird als als Hausaufgabe ein „Impact Statement“ verfasst, in dem individuelle Annahmen über die Ursachen, die Bedeutung und die Auswirkungen der traumatischen Erfahrungen aufgeschrieben werden. Erstmalig im Impact Statement, dann mithilfe weiterer Exploration werden so genannt „Stuck Points“ identifiziert, diskutiert und verändert. Dabei handelt es sich um gedankliche „Hängepunkte“, von denen sich die PatientInnen nicht lösen können, die aber die Symptomatik aufrechterhalten. Beispiele sind Schuldkognitionen („Ich bin selber Schuld an dem Ereignis“) oder übertriebene Verallgemeinerungen („Ich bin nirgends sicher“). Mithilfe des ABC-Schemas nach Ellis wird verdeutlicht, dass mit einer Veränderung der Gedanken auch eine Änderung der Gefühle und des (problematischen) Verhaltens einhergeht. Nach und nach erlernen die PatientInnen die selbstständige Anwendung eines erweiterten ABC-Arbeitsblattes, welches beim kritischen Hinterfragen von Überzeugungen und beim Entwickeln funktionalerer Gedanken helfen soll. Wichtige Themen sind dabei Sicherheit, Vertrauen, Kontrolle, Wertschätzung, Intimität und Selbstfürsorge. 

In der zentralen Therapiephase schreiben die PatientInnen außerdem einen Traumabericht, in welchem explizit Sinneswahrnehmungen, Gedanken und Gefühle während der traumatischen Ereignisse berücksichtigt werden, um durch Exposition und Zulassen natürlicher Gefühle langfristig mehr Kontrolle und weniger Gefühlsüberflutung bei der Konfrontation mit den traumatischen Erinnerungen zu erlangen. Dadurch wird eine Integration der traumatischen Erfahrungen ins autobiographische Gedächtnis angestoßen. Gleichzeitig werden in dem Bericht schädliche Kognitionen mithilfe des sokratischen Dialogs identifiziert und hinterfragt.

Entwicklungsaufgaben

Der letzte Therapieabschnitt ist vor allem der Prävention von Reviktimisierung gewidmet. Um die Jugendlichen vor künftigem Missbrauch zu schützen, lernen sie, wie sie gefährlichen Situationen vorbeugen können und an welchen Warnsignalen sie problematische Partner erkennen. In den letzten Sitzungen kann auch auf auf die zukünftige Schul- oder Berufslaufbahn eingegangen werden, um an Entwicklungspfade anzuknüpfen, die möglicherweise durch die Traumatisierung verlassen wurden. Ebenfalls können Autonomie- und Bezogenheitskonflikte im Umgang mit den Eltern thematisiert werden.

Belege für die Wirksamkeit

Die Cognitive Processing Therapy (CPT) hat weltweit sehr gute Wirksamkeitsnachweise bei Erwachsenen erbracht und wird deshalb von den Leitlinien als Therapie erster Wahl zur Behandlung von PTBS und komorbiden depressiven Symptomen empfohlen. Pilotstudien und ein deutschlandweite Wirksamkeitsstudie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen belegen gute Effekte auch in dieser Altersgruppe, auch bei Jugendlichen mit komorbiden depressiven und Borderline-Symptomen. Diese Befunde fügen sich in die grundsätzliche Befundlage ein, dass kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapien bei Kindern und Jugendlichen besonders wirksam zu Behandlung von PTBS sind.

Zum Weiterlesen und Vertiefen

Therapiemanuale

König, J., Resnick, P. A., Karl, R., & Rosner, R. (2012). Posttraumatische Belastungsstörung: Ein Manual zur Cognitive Processing Therapy. Göttingen: Hogrefe Verlag. Online ansehen

Fleischhaker, C., Sixt, B., & Schulz, E. (2011). DBT-A Dialektisch-behaviorale Therapie für Jugendliche: Ein Therapiemanual mir Arbeitsbuch auf CD. Berlin, New York: Springer. Online ansehen

 

Online-Lernkurs für TherapeutInnen

http://cpt.musc.edu

 

Deutschsprachige Übersichtsartikel

König, J. & Rosner, R. (2014). Cognitive Processing Therapy zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung. Psychotherapeutenjournal, 3, 265-273. Download als PDF

Rosner, R., Rimane, E., Fornaro, P., Matulis, S., & Steil, R. (2014). Entwicklungsangepasste kognitive Verhaltenstherapie (E-KVT) zur Behandlung einer PTBS nach Missbrauch bei Jugendlichen-Eine Fallgeschichte. Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen, 10 (1), 5-17. Download als PDF

 

Wirksamkeitsbelege / Meta-Analysen / Reviews

Matulis, S., Resick, P. A., Rosner, R., & Steil, R. (2014). Developmentally adapted cognitive processing therapy for adolescents suffering from posttraumatic stress disorder after childhood sexual or physical abuse: A pilot study. Clinical Child and Family Psychology Review17(2), 173-190. Link zum Volltext

Watts, B.V., Schnurr, P.P., Mayo, L. et al. (2013). Meta-analysis of the efficacy of treatments for posttraumatic stress disorder. Journal of Clinical Psychiatry, 74, 541-550. Link zum Volltext

Gutermann, J., Schreiber, F., Matulis, S., Schwartzkopff, L., Deppe, J., & Steil, R. (2016). Psychological Treatments for Symptoms of Posttraumatic Stress Disorder in Children, Adolescents, and Young Adults: A Meta-Analysis. Clinical child and family psychology review, 19(2), 77-93. Link zum Volltext

Smith, P., Perrin, S., Dalgleish, T., Meiser-Stedman, R., Clark, D. M. & Yule, W. (2013). Treatment of posttraumatic stress disorder in children and adolescents. Current Opinion in Psychiatry, 26, 66-72. Link zum Volltext

Leenarts, L. E., Diehle, J., Doroleijers, T. A., Jansma, E. P., & Lindauer, R. J. (2013). Evidence-based treatments for children with trauma-related psychopathology as a result of childhood maltreatment: a systematic review. European Child and Adolescent Psychiatry, 22, 269-283. Link zum Volltext

 

Leitlinien

Britische PTSD-Guideline des National Institute for Clinical Excellence (NICE): 
Aktuellste Fassung (2005) als PDF downloaden
Update (2013) als PDF downloaden

Australische PTSD-Guideline des Phoenix Australia – Centre for Posttraumatic Mental Health:
Langfassung (2013) als PDF downloaden (200 Seiten)
Kurzfassung (2013) als PDF downloaden (56 Seiten)
Praktiker-Leitlinien als PDF downloaden (10 Seiten)

Treatment-Guidelines der  International Society for Traumatic Stress Studies (ISTSS):
Leitline KVT für Kinder und Jugendliche (2005) als PDF downloaden 

 

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