Mein Weg – Traumapädagogik für junge Flüchtlinge in der Gruppe


Weiterbildung für Pädagogische Fachkräfte

MEIN WEG: Traumapädagogik für junge Flüchtlinge in der Gruppe

Präsenz-Workshop:
Montag, 21.01.2019 | 9-17 Uhr
Dienstag, 22.01.2019 | 9-15 Uhr
insgesamt 16 UE

Ort: München Richelstraße 

Telefonische Fallbesprechung:
6 aus 8 Terminen in den KW 8 bis 16
(mindestens 8 bis maximal 10 UE)

Zielgruppe: Pädagogische und psychologische Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe, die im stationären oder ambulanten Setting mit jungen Flüchtlingen arbeiten.

Infos zur Dozentin: MSc.-Psych. Elisa Pfeiffer

Kursgebühr: 390 Euro*

In der Kursgebühr enthalten sind der zweitägige Workshop einschließlich Pausensnacks und Getränken und die Kosten für die wöchentliche Fallbesprechung.

Alle KursteilnehmerInnen erhalten von uns außerdem ein kostenloses Exemplar des Manuals in Buchform.

* umsatzsteuerfrei nach nach § 4 Nr. 22 UStG

Anmeldeschluss: 07.12.2018

Weiterbildung zum/zur zertifizierten Gruppenleiter*in

  • Sicherheit im Umgang mit Trauma und Traumafolgestörungen gewinnen
  • Konkretes Handwerkszeug der Traumapädagogik erlernen
  • Traumatisierten jungen Flüchtlingen kompetent helfen
  • inkl. 8 Wochen persönliche Betreuung der Fachkräfte durch Supervisoren

HIntergrund

Junge Flüchtlinge haben im Heimatland und auf der Flucht oftmals traumatische Ereignisse wie Krieg, Gewalt, Missbrauch oder andere lebensbedrohliche Gefahren erlebt. Viele von ihnen sind deshalb psychisch stark belastet. Dies stellt pädagogische Fachkräfte, die täglich mit ihnen arbeiten, vor besondere Herausforderungen. Gleichzeitig finden gerade junge Geflüchtete schwer oder gar nicht Zugang zum psychologischen Hilfesystem, etwa wegen mangelnder Therapieplätze, sprachlichen und kulturellen Barrieren oder fehlender Kostenübernahme. 

Dadurch kommt es zu anhaltender Belastung und Krisen bei den Jugendlichen sowie zu Überforderung und Ratlosigkeit bei den pädagogischen Fachkräften, die gerne eine gute Hilfestellung leisten würden. Die traumpädagogische Gruppenintervention „Mein Weg“ wurde so konzipiert, dass sie von pädagogischen Fachkräften erfolgreich erlernt und in der eigenen Einrichtung angeboten werden kann. Die Jugendlichen erhalten auf diese Weise zusätzlich zum normalen pädagogischen Programm spezifische Unterstützung vor Ort, in der gewohnten Umgebung, durch vertraute Personen. Die Fachkräfte werden in ihrer täglichen Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten gestärkt und entlastet. Das Gruppenprogramm kann ebenso in Beratungsstellen angeboten werden. 

1. Phase

2-tägiger Workshop

Die Weiterbildung beginnt mit einer zweitägigen Schulung, in der Sie Ihr Fachwissen zu Trauma und Traumafolgestörungen bei Geflüchteten erweitern und die Anwendung des Gruppenprogramms lernen.

2. Phase

Durchführung der Gruppen mit Begleitung

In der 6-wöchigen Praxisphase werden Sie von spezialisierten SupervisorInnen bei der Durchführung der Gruppenstunden in Ihrer Einrichtung kontinuierlich unterstützt.

3. Phase

Zertifizierung und eigenständige Durchführung

Am Ende des ersten Durchlaufs erhalten Sie das Zertifikat zum Gruppenleiter und können die Gruppen künftig eigenständig durchführen.

Es fließen die Erfahrungen von über 40 durchgeführten Gruppen und knapp 100 weitergebildeten Fachkräften ein.

Information für die teilnehmenden Einrichtungen
Da die Gruppenintervention von einem Team aus zwei geschulten GruppenleiterInnen durchgeführt wird, sollten sich pro Einrichtung mindestens zwei TeilnehmerInnen für die Weiterbildung anmelden.

Information zur Fallbesprechung
Die Fallbesprechungen werden von erfahrenen SupervisorInnen für Traumatherapie in Form von Telefonkonferenzen in kleinen Gruppen angeboten. Die Termine dauern 60 Minuten und finden einmal pro Woche statt. Beide GruppenleiterInnen aus einer Einrichtung sollten an derselben Gruppe teilnehmen. Die Teilnehmerinnen erhalten Hilfestellungen für die Umsetzung des Programms in der eigenen Einrichtung und können Fragen zu einzelnen Jugendlichen einbringen.

 

Voraussetzung für die Zertifizierung ist die Teilnahme an 6 von 8 angebotenen Fallbesprechungen.

Mögliche Termine:

  • Dienstag 9.00 Uhr
  • Mittwoch 8.30 Uhr
  • Mittwoch 10.00 Uhr

Die vorgeschlagenen Termine dienen als Planungsgrundlage. Je nach Teilnehmerzahl und Nachfrage wird es 2 oder 3 Kleingruppen geben. Die Entscheidung über die endgültigen Termine und die Zuteilung in die Kleingruppen erfolgt gemeinsam im Verlauf des Workshops.

Die Kosten für die Fallbesprechung sind in der Kursgebühr enthalten.

Für die Einwahl in die Telefonkonferenz können Verbindungskosten in Höhe eines Gesprächs ins deutsche Festnetz entstehen (je nach Telefonanbieter und Tarif).

Aufbau und Inhalt der Gruppenintervention

„Mein Weg“ beinhaltet bewährte Methoden der Traumapädagogik zur Förderung der kognitiven und emotionalen Verarbeitung individueller traumatischer Erlebnisse.

Inhalt

„Mein Weg“ gibt pädagogischen Fachkräften die Möglichkeit, jungen Flüchtlingen bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen zu helfen und sie im Umgang mit Alltagsbelastungen zu unterstützen, die auf das Trauma zurückzuführen sind. Dazu zählen Schlafprobleme, belastenden Erinnerungen, Konzentrationsprobleme, Wutausbrüche, Ängste und Traurigkeit.

Zu Beginn erfahren die Jugendlichen Psychoedukation und erlernen eine Entspannungsmethode, die sie immer anwenden können, wenn sie das Gefühl haben, dass sie sehr angespannt sind.

Im weiteren Verlauf haben sie Gelegenheit, über sich selbst, ihre Flucht, ihre schlimmsten Erfahrungen, ihre Ressourcen und ihr aktuelles Leben in einem geschützten Rahmen zu reflektieren, sich auszutauschen und Ermutigung zu erfahren.

Das Programm besteht aus 6 Gruppenstunden, die einmal pro Woche stattfinden und 90 Minuten dauern. Es wird eine Gruppengröße von 3-5 Jugendlichen empfohlen. Angeleitet werden die Gruppen von einem Team aus zwei geschulten GruppenleiterInnen.

Vorteil des Gruppenformats ist, dass die Jugendlichen erkennen, dass sie mit ihren traumatischen Erfahrungen nicht alleine sind und auch andere mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Außerdem können die jungen Flüchtlinge miteinander und voneinander effektive Problemlösestrategien lernen, zum Beispiel wie man damit umgehen kann, ohne die Familie in einem anderen Land zu leben. 

Zielgruppe

Bisher wurde das Programm erfolgreich mit jungen Flüchtlingen eingesetzt, die seit mindestens sechs Monaten in Deutschland leben. Es ist geeignet für eine Altersspanne von etwa 13-21 Jahren. Grundkenntnisse in der deutschen Sprache sind nötig, zahlreiche Abbildungen und nonverbale Formate erleichtern die Umsetzung. Der Besuch der Gruppe ist für alle Jugendlichen möglich, unabhängig davon, ob sie sich in einer weiteren psychotherapeutischen oder psychiatrischen Behandlung befinden oder nicht.

Arbeitsmaterialien

Neben dem Gruppenleitermanual stehen ein Arbeitsbuch sowie Materialien für die Jugendlichen zur Verfügung.

Die Entwicklung von „Mein Weg“ wurde freundlicherweise unterstützt durch die
World Childhood Foundation 

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Wissenschaftlich überprüfte Wirksamkeit

„Mein Weg“ wurde gemeinsam mit Praktikern entwickelt und wissenschaftlich evaluiert.

Das sagen die Fachleute

„Das Programm bietet eine niederschwellige Hilfe zur Selbsthilfe. Am wichtigsten für mich war zu erkennen, dass
es durchaus mit den vorhandenen Ressourcen möglich ist, traumapädagogische Interventionen durchzuführen.“

An der Universität Ulm wurden zwei wissenschaftliche Studien durchgeführt, um die Effektivität des Gruppenprogramms zu testen.

In einer ersten Pilotstudie mit sechs Jugendhilfeeinrichtungen aus dem Umkreis von Ulm haben fast 30 Geflüchtete mitgemacht. Sie berichteten nach ihrer Teilnahme an der Intervention statistisch signifikant weniger posttraumatische Stresssymptome.

Dies hat die Projektleiter von „Mein Weg“ dazu motiviert, das Gruppenprogramm mit einem strengeren wissenschaftlichen Verfahren zu testen, nämlich in einer randomisiert kontrollierten Studie (RCT). Hierbei wurde verglichen, ob die Gruppenintervention der regulären Betreuung im Bereich der Traumaverarbeitung überlegen ist. Tatsächlich konnte genau das in der Studie mit sieben Jugendhilfeeinrichtungen und 99 Geflüchteten in ganz Süddeutschland gezeigt werden. Die geflüchteten Jugendlichen, die am Gruppenprogramm teilgenommen hatten, berichteten statistisch signifikant weniger posttraumatische Stresssymptome und depressive Symptome im Vergleich zu Geflüchteten, die im selben Zeitraum nicht am Gruppenprogramm teilgenommen hatten. Die Studie zeigte auch, dass das Gruppenprogramm unabhängig von Herkunftsland, Alter und Geschlecht der Geflüchteten effektiv ist. Auch drei Monate nach Abschluss des Gruppenprogramms berichteten die Geflüchteten weniger Symptome. Die Fachkräfte verfügen nach der Schulung und eigenen Durchführung über höheres Fachwissen.

Weiterführende Informationen

Das sagen die Jugendlichen

„Darüber zu reden hat geholfen und ich habe auch besser Deutsch gelernt. Ich kann jetzt besser schlafen. Ich verstehe besser, was mit mir los ist und habe auch Tipps an andere geben können.“

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