Trauerfragebogen zur Anhaltenden Trauer (PG13+9)


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Trauerfragebogen

Deutschsprachiger Fragebogen/ Interview zur Erhebung der Anhaltenden Trauerstörung (PG13+9) für Erwachsene

Der PG13+9 ist ein Interview zur Diagnostik der Anhaltenden Trauerstörung (Prolonged grief disorder; PGD). Er besteht aus insgesamt 22 Fragen, untergliedert in 4 Teile. Die ersten 13 Fragen (Teile 1 bis 3) entsprechen den Kriterien von Prigerson et al. (2009) zur Anhaltenden Trauerstörung und sind relevant für Diagnosestellung. Die 9 Fragen im Teil 4 erfragen Kriterien anderer Diagnosekonzepte und sind nicht relevant für die Diagnosestellung. Der PG13+9 ist als klinisches Interview sowie als Fragebogen durchführbar. Die Verwendung als Interview ist empfohlen.

 

Version für Kinder und Jugendliche:

Durchführung

Wird der PG13+9 als Interview verwendet, sollen die Fragen in jedem Fall zunächst wortwörtlich gestellt werden. Dem Kliniker ist es aber explizit erlaubt und geboten, darüber hinaus Fragen zusätzlich zu stellen.
Für eine erleichterte Durchführung des Interviews wurden zwei visuelle Skalen für die verschiedenen Antwortformate erstellt, die dem Probanden vorgelegt werden können. Ihre Verwendung ist optional.
In jedem Fall sollen bei der Durchführung als Interview die Antworten entsprechend der klinischen Einschätzung des Interviewers festgehalten werden.


Im Folgenden sind Beispiele für mögliche Nachfragen sowie Ankerpunkte aufgeführt, die zur klinischen Beurteilung der Antworten des Klienten herangezogen werden können. Um vom Mehrwert der Durchführung als Interview zu profitieren, empfehlen wir, bei jeder Frage des PG13+9 auch Nachfragen zu stellen.

Beispiel:

7. Fällt es Ihnen seit Ihrem Verlust schwer, anderen Menschen zu vertrauen?

Mögliche weiterführende Fragen:

  • Können Sie mir mehr dazu erzählen?
    Weswegen fällt es Ihnen schwer zu vertrauen?
  • Gibt es Personen, auf die Sie sich verlassen?
  • Wer sind diese?
  • Seit wann ist das so?

Überhaupt nicht (1): hat überhaupt keine Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen, kann ausreichend Vertrauenspersonen benennen

Kaum (2): hat leichte Schwierigkeiten, anderen Menschen zu vertrauen, kann sich nicht so gut auf Vertrauenspersonen verlassen wie zuvor

Ein wenig (3): mäßiges Gefühl von Vertrauensverlust deutlich erkennbar, aber noch Vertrauenspersonen benennbar

Ziemlich (4): deutliches Gefühl von Vertrauensverlust, kann sich nur noch auf ein oder zwei Menschen verlassen

Sehr (5): hat Vertrauen in andere völlig verloren, kann sich auf niemanden mehr verlassen

Auswertung

Instruktionen nach Prigerson und Maciejewski (n.d., aus dem Englischen übersetzt nach Pfoh, 2007):

Prolonged grief disorder (PGD) bezeichnet ein neu definiertes Syndrom und beschreibt eine bestimmte Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person. Dabei müssen bestimmte Symptome (Gefühle, Gedanken, Handlungen) sechs Monate nach dem Verlust in einer erhöhten Ausprägung vorliegen und mit einer bedeutsamen funktionalen Beeinträchtigung einhergehen, damit eine Person die Kriterien einer PGD erfüllt.


Nachfolgend sind die Instruktionen zur Diagnose einer PGD aufgeführt.

A. Ereignis: Das PG-13 wird nur dann eingesetzt, wenn der oder die Befragte den Verlust eines geliebten Menschen erfahren hat.
B. Trennungsschmerz: Der oder die Befragte hat entweder auf Frage 1 oder 2 des PG-13 mit „Mindestens einmal pro Tag“ oder „Mehrmals täglich“ geantwortet.
C. Dauer: Die Symptome eines erhöhten Trennungsschmerzes dauern auch 6 Monate nach dem Verlust an. Das heißt, die Frage 3 des PG-13 wurde mit „ja“ beantwortet.
D. Kognitive, emotionale und Verhaltenssymptome: Fünf der Fragen 4 bis 12 des PG-13 wurden mit „Mindestens einmal am Tag“ bzw. „Ziemlich“ beantwortet.
E. Funktionale Beeinträchtigung: Der oder die Befragte erlebt bedeutsame Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen (z.B. Haushaltspflichten). Das heißt, die Frage 13 des PG-13 wurde mit „ja“ beantwortet.


Der PG13+9 erlaubt sowohl eine dimensionale als auch eine kategoriale Auswertung.

Dimensionale Auswertung:
Gesamtsummenwert entspricht der Summe aus den Items 1 bis 2 und 4 bis 12.

Kategoriale Auswertung:
Um eine PGD-Diagnose stellen zu können, muss jede Bedingung der Kriterien A-E bei einer Person erfüllt sein. Das exakte Vorgehen bei der kategorialen Auswertung ist außerdem dem zugehörigen Auswertungsformular zu entnehmen.

Quellen

Zitation:

Vogel, A., Pfoh, G. & Rosner, R. (2016). PG13+9 – Erhebungsbogen zur anhaltenden Trauer (Überarbeitete und erweiterte Übersetzung des PG-13). Eichstätt: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Originalversion PG-13:

Prigerson, H. G. & Maciejewski, P. K. (n. d.). Prolonged Grief Disorder (PG-13) Scale. Dana-Farber Cancer Institute Center for Psychooncology & Palliative Care Research.

Erstvalidierung der Originalversion:

Prigerson et al. (2009). Prolonged grief disorder: psychometric validation of criteria proposed for DSM-V and ICD-11. PLOS medicine, 6, e1000121. Link zum Volltext

Weitere Items aus:

Maercker, A. (2016). ICG-R items for ICD-11 PGD. Selected from: Inventory of Complicated Grief- Revised (ICG-Revised), Holly Prigerson, Stanislav Kasl, Paul K. Maciejewski, Gabriel K. Silverman, Selby Jacobs.

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