Traumatherapie


Traumatherapie

Unser Ziel: ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen das Know-How für eine altersgerechte traumafokussierte Behandlung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen näher zu bringen. 

Mindestens 3% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Ist eine PTBS diagnostizierbar, ist eine traumafokussierte Therapie indiziert.

Nicht alle Kinder und Jugendliche, die ein oder mehrere traumatische Ereignisse erlebt haben, brauchen eine traumafokussierte Behandlung. Die aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien empfehlen ein gestuftes Vorgehen, bei dem die Notwendigkeit und Intensität einer Therapie anhand der individuellen Symptomatik bestimmt wird.

Wissenschaftlich überprüfte Traumatherapie

Nach heutigem Stand sind ambulante Kurzzeittherapien die Intervention der Wahl, auch bei schwerwiegender Traumatisierung.

Für Kinder und Jugendliche: TF-KVT

Für Kinder und Jugendliche haben bisher die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) und weitere kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungen die besten Wirksamkeitsnachweise erbracht. Das am besten beforschte Manual für die Altersstufe 3 bis 18 ist die „Traumaforkussierte kognitive Verhaltenstherapie“ nach Cohen, Mannarino und Deblinger (2009). Es handelt sich um ein ambulantes Behandlungsprogramm mit 12-15 wöchentlichen Doppelsitzungen. Es dauert insgesamt etwa vier Monate, die Eltern werden intensiv mit einbezogen. Erste Studien belegen, dass die Therapie auch bei jungen Flüchtlingen erfolgreich eingesetzt werden kann.

Für ältere Jugendliche und junge Erwachsene: CPT

Für ältere Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 21 Jahren hat sich eine jugendspezifische Anpassung der Cognitive Processing Therapy (CPT) besonders bewährt, in Kombination mit Elementen des Emotionsregulationstrainings aus der dialektisch-behavioralen Therapie für Jugendliche (DBT-A). Die Therapie besteht aus bis zu 36 ambulanten Sitzungen über die Zeitdauer von etwa einem halben Jahr. 

Für die meisten anderen Therapieverfahren liegen derzeit noch wenige belastbare Wirksamkeitsnachweise vor.

Alle wissenschaftlich geprüften Verfahren beinhalten traumafokussierte Komponenten. Eine vorausgehende Stabilisierung lindert vorläufig die stärksten Symptome und dient der Vorbereitung auf die Auseinandersetzung mit den traumatischen Erfahrungen. Sie reicht alleine aber für die Behandlung der Störung nicht aus.

Traumapädagogik

Trauma-informiertes und Trauma-sensibles Handeln für einen kompetenten Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen im pädagogischen Alltag

Viele Kinder und Jugendliche in der der Kinder- und Jugendhilfe haben in ihrer Lebensgeschichte traumatische Ereignisse einschließlich sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt erlebt. Manche von ihnen leiden deshalb unter psychischen Symptomen, die eine deutliche Belastung bei den Jugendlichen und oft Hilflosigkeit oder Unsicherheit bei den pädagogischen Fachkräften hervorrufen.

Traumapädagogik stellt Werkzeuge für eine wirkungsvolle Unterstützung der Betroffenen und eine Entlastung der Fachkräfte bereit.

Bestandteile wirksamer Traumatherapien

Das sozial-kognitive Modell von Ehlers & Clark (2000) bietet gut belegte Erklärungen, wie eine Posttraumatische Belastungsstörung entsteht und warum sie nicht von alleine wieder vergeht. Daraus lassen sich notwendige Bausteine für eine wirksame Therapie ableiten.

Traumatische Ereignisse werden unter Einfluss von starkem Stress in Form von stabilen Netzwerken in der Erinnerung abgespeichert. Anders als bei normalen Erinnerungen, sind Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen unsortiert abgespeichert und können nicht von alleine in das autobiographische Gedächtnis integriert werden. Die führt dazu, dass Betroffene von ihren Erinnerungen überwältigt werden, z.B. in Form von Flashbacks und Albträumen.

Exposition: Durch das Nacherzählen des Traumas wird eine Verarbeitung der traumatischen Ereignisse im Gedächtnis gefördert. Durch die Auseinandersetzung mit dem Erlebten verlieren die Erinnerungen ihre Macht.

Ungünstige Überzeugungen über sich, andere und die Welt führen dazu, dass schmerzliche Gefühle und schädigende Verhaltensweisen entstehen. Solche Denkfallen stehen einer Genesung im Wege. Denkt eine Jugendliche beispielsweise „Weil ich missbraucht wurde, bin ich ein schlechter Mensch“, wird sie möglicherweise Selbsthass empfinden und sich dadurch bestrafen, dass sie sich Schnittverletzungen zufügt.

Kognitive Umstrukturierung: Die hinderlichen Überzeugungen werden im therapeutischen Gespräch hinterfragt und durch hilfreiche Gedanken ersetzt.

Betroffene gehen Gedanken, Gefühlen, Gesprächen, Orten, Dingen und Personen aus dem Weg, die an das traumatische Ereignis erinnern. Sie setzen manchmal ungünstige Strategien wie Substanzkonsum ein, um sich abzulenken. Vermeidung und Ablenkung verschaffen zwar kurzfristig Erleichterung, verhindern jedoch langfristig die emotionale und kognitive Verarbeitung des Traumas.

Überwinden von Vermeidung: Vermeidung wird nach und nach abgebaut, indem schmerzliche Gefühle im therapeutischen Rahmen zugelassen und angstbesetzte Aktivitäten wieder aufgenommen werden.

Exposition

Durch das Nacherzählen des Traumas wird eine Verarbeitung der traumatischen Ereignisse im Gedächtnis gefördert. Durch die Auseinandersetzung mit dem Erlebten verlieren die Erinnerungen ihre Macht.

Kognitive Umstrukturierung

Die hinderlichen Überzeugungen werden im therapeutischen Gespräch hinterfragt und durch hilfreiche Gedanken ersetzt.

Überwinden von Vermeidung

Vermeidung wird nach und nach abgebaut, indem schmerzliche Gefühle im therapeutischen Rahmen zugelassen und angstbesetzte Aktivitäten wieder aufgenommen werden.

Eine hilfreiche therapeutische Haltung

Wissenschaftliche Untersuchungen sind der fairste Weg, mit dem jede Therapiemethode ihre Wirksamkeit auf den Prüfstand stellen kann. Wir bieten unseren TeilnehmerInnen eine ausgewogenen Betrachtung von Chance und Grenzen der Behandlung an und animieren zu Transparenz und Verlässlichkeit den Patienten gegenüber.

Selbstwirksamkeit der TherapeutInnen

Wenn man sich nach den besten evidenzbasierten Verfahren richtet, kann man einer Vielzahl von PatientInnen sehr effizient eine gute Hilfestellung bieten.

Selbstvertrauen der TherapeutInnen

Es gibt keine Hinweise darauf, dass PatientInnen durch eine traumafokussierte Behandlung Schaden nehmen können, wenn man sich nach den wissenschaftlichen Empfehlungen richtet.

Akzeptanz eigener Grenzen

Es gibt keine absolute Sicherheit im Traumabereich. Man kann nicht allen PatientInnen perfekt helfen. Das ist aber nicht hinderlich für eine gewinnbringende therapeutische Arbeit.

Evidenzbasiertes Entscheiden in der Praxis

Handlungsempfehlungen bei kritischen Fragen werden nicht auf der Grundlage von persönlichen Meinungen einzelner, sondern nach dem jeweils aktuellsten Stand der Forschung gegeben.

Verantwortung bei der Methodenwahl

PatientInnen die wirksamsten Verfahren vorzuenthalten, weil es persönliche Vorbehalte oder Präferenzen für Alternativen gibt, wäre unter ethischen Gesichtspunkten höchst bedenklich.

Toleranz für ungeklärte Fragestellungen

Es gibt keine absolute Wahrheit. Es gibt Fragen, die wir zum heutigen Forschungsstand noch nicht beantworten können. Die Forschung entwickelt sich weiter. Es lohnt sich, kritisch zu bleiben und wissenschaftlich informierte Einzelfallentscheidungen zu treffen.

TIPP: Mehr Hintergrundinformationen zu Traumatherapie, hilfreiche Links und Arbeitsmaterialien zum kostenlosen Download finden Sie in unserer Sammlung: Wissen und Werkzeuge.

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